Corona – und unser Umgang mit Veränderung

Event 201

Am 18. Oktober 2019 fand in New York eine multimediale Pandemie-Simulationsübung statt. Sie trug den Namen „Event 201“. Ein längst überfälliger Pandemie-Stresstest, der die gesundheitlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen einer fiktiven Coronavirus-Pandemie simulierte. Veranstaltet wurde die Simulations-Übung vom Johns Hopkins Center for Health Security, dem Weltwirtschaftsforum und der Bill & Melinda Gates Foundation. Während dieses Stresstests wurden große Lücken in der Pandemievorsorge aufgedeckt, so dass die Veranstalter abschließend 7 Handlungsempfehlungen („A CALL TO ACTION“) vorschlugen. Diese habe ich im nachfolgenden Button verlinkt. Das – aus meiner Sicht – wichtigste Fazit lautet: um die verheerenden Folgen zu verhindern, ist ein beispielloses Maß der Zusammenarbeit zwischen Regierungen, internationalen Organisationen und dem Privatsektor erforderlich.

Die unterschätzte Übertragungskette

Und nun ist der Pandemie-Fall eingetreten… Immer mehr Krankenhäuser erreichen die Grenzen ihrer Kapazitäten. Sowohl was die medizinischen Vorräte betrifft – als auch die körperliche und emotionale Mehrbelastung für das Personal. In Norditalien stehen Kliniken vor dem Kollaps. Krematorien sollen auf 24-Stunden-Betrieb umgestellt haben, schrieb uns heute ein in Italien lebender Bekannter. Auch die Auswirkungen auf die Wirtschaft sind verheerend. Aufträge brechen weg, Einnahmen bleiben aus. Und die laufenden Kosten wollen trotzdem bezahlt werden. „Wie lange wird das so weitergehen?“ – ist die Frage, die sich jeder stellt.

Der Spuk könnte schneller vorbei sein als gedacht, wenn endlich ALLE die empfohlenen Verhaltensregeln beherzigen würden: und zwar JEDEN einzelnen Tag. Nur so kann die Übertragungskette unterbrochen werden. Doch wer hält sich wirklich konsequent an die Aufforderung, auf soziale Kontakte möglichst zu verzichten? Wer hält sich an den Sicherheitsabstand von 1,5 Metern – auch auf der Arbeit? So konsequent sind einige eben nicht. Damit bleibt man ein potenzieller Überträger der Krankheit. Und die Fallzahlen steigen weiter. Was also tun? Helfen nur noch drastische Maßnahmen? Brauchen wir polizeilich kontrollierte Ausgangssperren? Müssen harte Strafen her?

Leider sind wir erst nach der Krise schlauer. Jede Krise löst einen neuen Lernprozess aus, und die Lernenden sind wir. Uns fehlen Erfahrungen, die wir uns erst aneignen müssen. Und natürlich werden wir dabei auch Fehler machen. Es ist absurd, zu glauben, dass wir Krisen fehlerfrei bewältigen könnten. Nichtsdestotrotz wäre eine gute Vorbereitung hilfreich. Überprüfen Sie sich selbst, wie gut Sie vorbereitet sind. Haben Sie sich Not-Vorräte angelegt, um Krisenzeiten – egal welcher Art – zu bewältigen?

Vorräte für den Katastrophenfall

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt nicht erst seit Ausbruch von SARS-CoV-2, dass sich jeder Bürger einen 10-Tages-Vorrat anlegen sollte. Damit liegt es in unserer Eigenverantwortung, sich an diese Empfehlungen zu halten. Ich habe hier die Checkliste des Bundesamtes für für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe verlinkt. Sie werden überrascht sein, was Sie alles NICHT zuhause haben.

So lautet beispielsweise eine Empfehlung, sich einen Getränkevorrat für 10 Tage anzulegen. Bei 2 Liter pro Tag müsste eine Person 20 Liter zuhause haben. Da kommen bei einem Drei-Personen-Haushalt 60 Liter zusammen. Nicht zu vergessen das Wasser, das wir für die Hygiene benötigen. Auch Nudeln, Reis, Mehl und eine ausreichende Menge an Seife und Toilettenpapier gehören dazu. Bei einem massiven Stromausfall würden wir ziemlich schnell spüren, wie verletzlich wir sind. Wie wollen Sie Nachrichten empfangen, wenn es keinen Strom mehr gibt und der Handy-Akku leer ist? Ein Kurbelradio könnte in diesem Fall helfen. Dieses Radio kommt ohne Batterien aus. Es hat stattdessen einen Dynamo. Sobald Sie an der Kurbel drehen, lädt der Dynamo einen Akku auf. Haben Sie ein Kurbelradio oder wenigstens einen batteriebetriebenen Weltempfänger zuhause?

Resilienz in Krisenzeiten

Der Soziologe Harald Welzer sprach gestern Abend (18.03.2020) in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ das wichtige Thema „Resilienz“ an. Dahinter verbirgt sich unsere Fähigkeit, in Krisenfällen widerstandsfähig zu bleiben. Wie gut kommen wir mit veränderten Umständen zurecht? Was wirft uns aus der Bahn?

Meiner Meinung nach sollten wir unser Augenmerk auf eine bessere Kommunikation untereinander richten. Gerade in den sozialen Netzwerken. Wie schnell werden Vorurteile ausgesprochen, ohne die Fakten zu kennen. Wie schnell schaukeln sich Emotionen hoch. Es wird beleidigt, was das Zeug hält. Nehmen wir das leidige Thema „Hamsterkäufe“. Unbestritten gibt es Menschen, die aus Sorge mehr einkaufen, als sie benötigen. Was passierte daraufhin? Je mehr in den Medien über dieses Thema berichtet wurde und leere Regale zu sehen waren, desto mehr entstand auch bei anderen Menschen der Eindruck, man müsse handeln, um nicht selbst auf der Strecke zu bleiben. Ergo waren die Regale leer. Doch ein leeres Regal kann auch andere Ursachen haben: Lieferengpässe, weil der Handel nicht mehr reibungslos funktioniert oder eine Zunahme des Bedarfs an Lebensmitteln, weil Kinder und viele Erwachsene jetzt zuhause arbeiten und nicht mehr in der Kantine oder in der Mensa Mittag essen. Das hat mit Hamsterkäufen herzlich wenig zu tun.

Gestern kam mir beim Einkaufen ein älterer Herr mit mehreren Paketen Toilettenpapier entgegen. Er wirkte überglücklich. Eine junge Frau lief hinter ihm und schüttelte den Kopf. Ich war fast geneigt, den Herren zu fragen, wofür er gleich 3 Pakete bräuchte. Doch ich hielt inne und sagt mir: „nein, das machst Du nicht! Vielleicht kauft er für Nachbarn ein, weil die berufstätig und die Regale abends leer sind.“ Wir sollten nicht so schnell urteilen, ohne die Fakten zu kennen. Dann, an einer Supermarkt-Kasse, musste eine junge Frau zwei Tiefkühl-Pizzen zurückgeben, weil sie die zulässige Menge an Fertigprodukten überschritten hat. Es nützte auch nichts, als sie angab, dies für ihre Kinder zu benötigen. Der Kassierer antwortete knallhart: „Und wenn Sie 10 Kinder zuhause haben. Sie dürfen bei uns nur 2 Fertigprodukte kaufen.“ Sollten wir vorübergehend wieder Wertmarken einführen wie zur Nachkriegszeit?

Respekt und Verantwortung

So frustrierend die Nachrichtenlage derzeit ist: zwischen all den Negativ-Schlagzeilen finden sich auch hoffnungsvolle Berichte. Ist es nicht schön, zu wissen, wie gut unsere Solidarität in Krisenzeiten funktioniert. Freiwillig bieten sich Menschen in den sozialen Netzwerken für Einkäufe oder die Kinderbetreuung an. Nachbarn verabreden sich auf Balkonen zum abendlichen Klatschkonzert – als Dank an die unzähligen Menschen, die in Krankenhäusern und Lebensmittelgeschäften eine Sonderschicht nach der nächsten einlegen. Der kleine Buchladen um die Ecke bietet neuerdings an, dass man die Waren auch online bestellen kann. Und Schüler lernen jetzt – Dank Internet – ganz eigenverantwortlich von zuhause aus. Was die veränderte Situation so alles möglich macht…

Stellen wir uns vor, die Krise liegt hinter uns und wir resümieren. Was meinen Sie: welche Lehren werden wir aus der Krise gezogen haben? Vielleicht werden wir feststellen, dass uns zwei Schlüsselwerte schneller aus der Krise geführt haben als so mancher Pandemieplan. Diese beiden Werte heißen Respekt und Verantwortung.

In diesem Sinne: Übernehmen Sie Verantwortung und unterbrechen Sie die Ansteckungskette. Das folgende Video zeigt, wie es geht…

🙂

Ihre
Kristina zur Mühlen

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